(mak) Letzten Freitag wurden wir beim Schweizer Fernsehen in Empfang genommen. Ausgerüstet mit einem Besucherbadge durften wir die heiligen Hallen des Fernsehens betreten. Die Promiquote hielt sich in Grenzen – nur eine Dame erkannte ich. Aber wir waren ja wegen der Dokustelle gekommen.
Herbert (man dutzt sich im Fernsehen) empfing uns. Ihr alle kennt ihn schon recht gut. Er kam einmal für eine Podiumsdiskussion nach Chur, und einmal erzählte er uns etwas über Kooperationen und die Integration der Musikdokstelle in den ganzen Dokladen.
Der ganze Tag stellte sich als interessant heraus. Wir erfuhren einiges über den Handel und Umgang mit Bildern. Dies war natürlich die ideale Ergänzung zum Besuch bei Ringier. Die Bilderflut ist enorm, und ohne konstantes Durchschauen der Eingänge wäre der Bilderpool so schnell voll, dass die ältesten gleich wieder rausfallen würden. Ich war überrascht, wieviel Bilder im Medium Fernsehen reinkommen. Aber es handelt sich eben um Pauschalabos von Keystone und Reuters. Da kommt dann einfach alles. Ausser Eingänge von Fotografien einiger privater Anbieter hat das Fernsehen auch gleich die Rechte an der Weiterverwendung der Bilder intern. Neben üblichen eingeblendeten Bildern (bei Tagesschauberichten oder so) braucht es natürlich auch immer Fotos von ganz aktuellen Vorfällen. Es kann nämlich vorkommen, dass noch vor den bewegten Bildern Fotos eintrudeln.
Danach waren wir in der Texdokumentation. Daniela zeigte uns, was aus der Geschichte der Dokumentationsstellen in der Schweiz so alles vorhanden ist. Das reicht von einem alten Handarchiv einer Einzelperson bis zur systematischen Aufbewahrung von aktuellen Presseerzeugnissen in Printform. Man kann sich also über ein bestimmtes Thema auch mit Printmedien schlau machen. Nicht zu vergessen, dass immer wieder bspw. alte Titelbilder der Schweizer Illustrierte als Sujets gebraucht werden.
In der Musikdokumentation braucht es Intuition und Erfahrung. Es flattern Mails rein und die Spezialisten besorgen bspw. Musik für eine Sendung über Gewalt. Die Szene wird kurz geschildert, und dann legen die Rechercheure los. Es gibt ein nettes Programm, mit welchem man gleich über den media player die Musik abspielen kann. Oder einen kleinen Raum wo man sich die Sache auch mit ein wenig Gedröhn anhören kann.
In all diesen Dokumentationsstellen, wie auch bei der Erfassung der Beiträge, ist vor allem der Zeitfaktor wichtig. Es muss schnell gehen. Ausserdem wird so dokumentiert, dass es den Kundenbedürfnissen dient: die künftige Weiterverwertung, nicht die ewige Aufbewahrung, steht im Vordergrund.
Im zweiten Teil beschäftigten wir uns mit der komplexen Erfassung der TV-Beiträge selber. Einerseits erfasst man mit einem kleinen Abstract den Beitrag, andererseits beschreibt man ihn. Was passiert, wie sind die Kameraeinstellungen, etc. Hier gibt es einen ganzen Ordner voll speziellen Ausdrücken. Einzelne Ausschnitte können vielleicht einmal wiederverwendet werden. Und dementsprechend muss man auch erschliessen: einzelne Sequenzen werden unter Umständen in einem ganz anderen Kontext wiederverwendet. Erfahrungssache. Wir erfassten dann auch einen Beitrag aus 10 vor 10 im Plenum. Die Diskussionen könnt ihr euch ja vorstellen.
Die Dokstellen allgemein haben einen recht guten Rückhalt im Fernsehen. Alle paar Jahre ist der Legitimationsdruck heftiger als im Regelfall. Immer muss man schauen, am Ball zu bleiben, sich auch mal in den Vordergrund schieben und sich Neuerungen mit einer positiven Attitüde stellen. Es bringt nichts, sich über den Wandel zu beklagen. Man passt sich an oder säuft ab. Ich habe den Eindruck, dass sich die Truppe im Leutschenbach ganz gut metzget.